Niels Paulini

Shendao - Energie - Herz - Geist

Was ist Gesundheit

Was ist Gesundheit

Das Verständnis der Chinesischen Medizin gründet sich heute allzu oft, mit der Ergänzung einer mystischen, weil nicht selbst erfahrenen Energie, auf das altbekannte und fest im Geiste verwurzelte mechanistische Weltbild.
Der vorliegende Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Absolutheit. Die ausgewählten Grundlagen sollen nicht andere Perspektiven schmälern. Vielmehr soll der Text ermutigen, die Chinesische Medizin konsequent umzusetzen und zu eigenen Forschungen anregen.


Erste Grundlage der Gesundheit
Die erste Grundlage für Gesundheit im Huang Di Nei Jing ist die Bewahrung des Jingshen. Daraus ergeben sich die Voraussetzungen für ein gesundes Leben – Freiheit von Begierden und Ängsten und ein daraus resultierendes friedvolles Gemüt.

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Die Bedeutung von Geist und Herz in Medizin und Training

„Die Welt erobern wollen durch Handeln:
Ich habe erlebt, dass das misslingt.
Die Welt ist ein geistiges Ding (Shenqi),
auf dies kann man nicht willentlich einwirken.
Greift man willentlich ein, so verdirbt man sie.
Hält man sie fest, so verliert man sie.“

Dao De Jing Kap. 29

Shen, der Geist, der die Welt durchdringt, verbindet sich mit der Essenz (Jing), welche wir von unseren Vorfahren erhalten haben. Somit ist die ureigene seelische Essenz, das Verschmelzen des kosmischen Geistes mit dem Körper. Das ist Jingshen (Essenz-Geist) und so gesehen zeigt sich die Einheit in der Vielfalt der körperlichen Manifestationen.
Im ersten Kapitel des Huang Di Nei Jing, dem Gelben Kaiser, wird darauf hingewiesen, dass das Bewahren dieses Essenz-Geistes die Grundlage für ein gesundes Leben darstellt. Der Geist wird vor allem durch Emotionen beeinflusst und allen voran geht die Begierde, weil die Begierde der Zwilling der Angst ist und dafür sorgt das die geistigen und energetischen Kräfte nach außen fließen.

„Bringt man seine Begierden zur Ruhe, so wird der Geist in seine Wohnstatt eintreten.“

Guanzi 36/13

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Das Dao der Gesundheit

Das Dao der Gesundheit
Wissen und Nichtwissen


Alle Krankheit kommt aus dem Geist (Shen) steht im ersten Kapitel des Gelben Kaisers (Huang Di Neijing), des wichtigsten Werkes der Chinesischen Medizin. Gesundheit wird dort als ein Leben beschrieben, dass in Übereinstimmung mit dem großen Ganzen, dem Dao gelebt wird.
Chinesische Medizin ist eine praktische und alltagstaugliche Medizin, um den Menschen auf dem Weg zum Dao zu begleiten. Sie selbst stammt aus dem Dao und weist den Weg dorthin zurück, denn im daoistischen Klassiker Wuzhen Pian (Buch über das Erwachen zur Wirklichkeit) heißt es: „Zur Wurzel zurückzukehren, zum Ursprung umzukehren – das ist die Königsarznei.“
Gesundheit ist also der Weg des Dao und im Dao De Jing, dem großen Weisheitsbuch der Chinesen, welches letztendlich auch Grundlage für das Verständnis der Chinesischen Medizin ist, findet man eine klare Definition für Krankheit und somit das Abweichen vom Dao.

„Wissen, dass man nichts weiß, ist das Höchste.
Nichtwissen für Wissen halten, ist krank.
Nur wer sein Kranksein leid ist, wird frei vom Kranksein.
Der Weise ist nicht krank.
Weil er sein Kranksein leid ist,
daher ist er nicht krank.
(Laozi – Dao De Jing Kapitel 71)

Der Weise weiß, dass er nichts weiß und verwechselt sein Nichtwissen nicht mit Wissen; und nur das lässt ihn gesund sein. Sobald der Mensch sein Nichtwissen für Wissen hält, entsteht Krankheit. Er erschöpft sein Qi, seine Lebensenergie in seinem Alltag. Im Alltag mit all seinen Herausforderungen liegt der Schlüssel zu Gesundheit und Heilung – die Chinesen nenne das Yang Sheng (Lebenspflege). Der Alltag wird gestaltet nach all den Überzeugungen, Glaubensmustern und Gewohnheiten, die dann oft das Qi aufbrauchen. Daher steht im Gelben Kaiser als wichtigste Ursache für Erkrankungen, dass jede Krankheit aus dem Geist (Shen) kommt.

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Feuer und Wasser - Angst und das erwachte Herz

Feuer und Wasser
Angst und das erwachte Herz


Feuer und Wasser repräsentieren das höchste Yang und das tiefste Yin. Zum Yin des Wassers gehören auf der körperlichen Ebene die Nieren, der emotionale Aspekt ist die Angst und der geistig-seelische Anteil ist unser Wille. Das Herz repräsentiert das Feuer und die unerlöste Emotion des Herzens ist die Begierde. Auf der geistig-seelischen Ebene ruht der Geist im Herzen.

In der Chinesischen Medizin ist das Verhältnis von Yin und Yang, von Wasser und Feuer sowie von Herz und Nieren die entscheidende Komponente für die Gesundheit von Körper, Geist und Seele.

Die vorgeburtliche Erfahrung nach der Empfängnis ist davon geprägt, dass alles was der Organismus zum Leben braucht, vorhanden ist und mühelos ohne jegliches Zutun erhält. Dies ist die erste Erfahrung in der Dualität von Yin und Yang. Die Chinesen nennen diesen Bewusstseinszustand Wu Wei – nicht eingreifen müssen, in dem tieferen Wissen, dass sich das Leben selbst genügt.

Mit der Geburt folgt die Erfahrung der Ohnmacht und Todesangst, die Erfahrung der Abhängigkeit von anderen und das Bewusstsein dafür, nicht alleine überleben zu können.

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Psychosomatik in der Chinesischen Medizin

Psychosomatik in der Chinesischen Medizin

Psychosomatik bezeichnet die Wechselwirkung zwischen Körper (Soma) und dem geistig-seelischen Aspekt (Psyche) des Menschen. Sie befasst sich mit seelisch bedingten Krankheiten, die körperliche Veränderungen und Symptome verursachen.
Der Einfluss immaterieller Lebensvorgänge auf Körperfunktionen wird heutzutage in der westlichen Medizin zunehmend anerkannt. In der Chinesischen Medizin ist dies der grundlegendste Ansatz. Man arbeitet mit dem Qi, der Lebensenergie. Somit gibt es in der Chinesischen Medizin keine dualistische Herangehensweise, in der Psyche (Seele) und Soma (Körper) nur gleichberechtigt nebeneinander stehen. Vielmehr wird eine dynamische Wechselwirkung beider Aspekte konsequent berücksichtigt. Das Qi ist dabei als Bindeglied zwischen Geist und Körper zu verstehen. Es ist weder materiell noch geistig. Das Prinzip des „Sowohl als auch“ ersetzt in der Chinesischen Medizin stets das „Entweder oder“. Im Westen wurde eine ausgefeilte Anatomie des Stofflichen entwickelt. In der Chinesischen Medizin kann man das Leitbahnen-System, in dem das Qi fließt, als energetische Anatomie und als Äquivalent zur westlichen Anatomie des Körpers betrachten.

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